Das erste Mal – oder wie ich in Schottland zum Whisky kam

Es war das Jahr 2017, ich war in meinen 30ern, alle um mich rum haben sich um ihren Nachwuchs gekümmert oder ans Nachwuchsmachen gedacht oder mussten heiraten und ich wollte raus. Ich wollte was von der Welt sehen, aber nicht drauf warten, bis irgendjemand mal irgendwann Zeit hat um mitzukommen.


Gedacht und Beschlossen: Ich mach mal einen Testtrip, ob ich mit mir allein klar komme im Urlaub. Bevor man irgendwo auf Weltreise feststellt, dass man 3 Wochen nur auf einem Zimmer hockt, weil man sich nicht traut Leute anzusprechen. Das macht dann schon mal Sinn. 

Also hab ich mich mal ein paar Abende im Internet umgeschaut und bin dann irgendwie über viele unterschiedliche Ländermöglichkeiten und Reiseportale auf der Fremdenverkehrsseite von Schottland (Visit Scotland) gelandet. Land toll, Menschen toll, im Fernsehn lief entweder Outlander oder Harry Potter oder Skyfall – done Deal.

sogar der Himmel gab ein Däumchen hoch


Mir war von vornherein klar, dass ich dort etwas vom Land sehen möchte, aber weil ich dann doch ein Stück weit feige bin wollt ich nicht selber fahren. Die fahren alle auf der bösen Seite der Straße und bestimmt springen einem alle 50 m irgendwelche Highland Kühe vor die Stoßstange.
Gefunden habe ich dann dank Visit Scotland den Donald. Donald McKenzie, seines Zeichens Ruheständler mit zahnärztlichem Vorleben, betreibt ein Kleinsttourenbusiness. „Kleinst“ im Sinne von „ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht“ – sprich Donald hat einen VW Bus, einen Gewerbeschein, Kontakte in Schottland und Bock auf Touris. 


Der Reiseplan stand relativ schnell fest: 6 Tage Schottland. Tag 1 Anreise am Nachmittag, Tage 2-4 Tour mit Clan McKenzie Routes, Tag 5+6 Edinburgh unsicher machen.
 

… nach so viel Vorgeschichte kommt jetzt endlich der Teil mit dem Schnaps.

 



Es begab sich also anno 2017, dass der erste Tag auf Highlandtour mit Donald begann. Wir sind gemütlich durch Schottland gefahren, kamen an den Kelpies vorbei und haben uns Bannockburn angeschaut. Nach einem Stop mit Tour auf Sterling Castle hat uns dann langsam ein Hüngerchen ereilt und Kraft seiner Ortskenntnis haben wir auch ein nettes Café gefunden. Links war ein großes Gebäude, dann kam die Straße, und rechts plätscherte der River Teith fröhlich vor sich hin.


Auf dem Weg zum nächsten Ziel haben wir weitergeplaudert, wie man das halt so macht wenn man zu fremden Menschen ins Auto steigt… sagts meiner Mama nicht. Wir kamen dann auf das Thema Whisky, und dass wir grad im Café der Brennerei Deanston zu Mittag gegessen hatten. Heut ärgert mich meine damalige Unwissenheit so ein bisschen, weil viele Deanston = mjam.



„Ich kenne Whisky nur als Mixgetränk mit Cola (und aus Jack/Jim/Johnny)“ - Ich werde Donalds Gesichtsausdruck nie vergessen. Er hat einen echt niedlichen schottischen Rant rausgehauen (ich hab nur jedes 2. Wort verstanden) und mit einem „das müssen wir ändern“ geantwortet. 

Im nächsten Dorf kannte er dann tatsächlich nicht nur einen Schnapsladen sondern auch dessen Besitzer. Im glorreichen, vielbesungenen und doch unerreichten Spirit of Callander habe ich dann mein erstes Whiskytasting gehabt.


Joah... da hat dann die Leidenschaft begonnen. Auch wenn die Reaktion auf die 4 Drams in etwa so war: Lecker, Toll, Oh gut ... brennts hier irgendwo? Schon damals sind Raucher und ich nicht wirklich miteinander klar gekommen.

The rest - as they say - is history.

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